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Julia Flöricke

Therapiepraxis für Naturheilkunde, Stimmtherapie und Sprachtherapie

Reizdarm oder Darmgesundheit

1. Februar 2019

Reizdarm, Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten – wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gekommen ist

Etwa 12 Millionen Menschen in Deutschland haben Beschwerden durch einen Reizdarm. Die Beschwerden treten oft nur gelegentlich auf, etwa wenn der Alltag durch Reisen, belastende Ereignisse oder ungewohnte Speisen durcheinander gebracht ist. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Neben Bauchschmerzen und Blähungen zeichnet sich das Reizdarmsyndrom durch den Wechsel von Durchfall und Verstopfungen aus. Die Art, Häufigkeit und Schwere der Symptome sind sehr individuell. Bei Anhalten dieser Symptome sollte ein Gastroenterologe organische Ursachen abchecken.

 

Die unbekannten Freunde: Bedeutung von Mikroorganismen im Verdauungstrakt für unsere Gesundheit

 

Das Mikrobiom (auch Darmflora genannt) spielt für den menschlichen Körper eine wichtige Rolle. Der Darm beherbergt mehr als 100 Billionen Mikroorganismen, die in einem ausgeglichenen Ökosystem im Darm des Menschen leben. Diese Darmflora ist für den Menschen überlebenswichtig, weil sie u.a. bei der Verdauung assistiert und lebenswichtige Vitamine bildet. Ebenso verdrängt die Masse der Bakterien mit positiver Wirkung Krankheitskeime und verhindert auf diese Weise intestinale Infektionen.

Neue Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom und verschiedenen Erkrankungen, wie den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Allergien und Übergewicht. Diese Untersuchungen stützen somit die verbreitete Herangehensweise unter Heilpraktikern, bei vielen Erkrankungen zunächst eine Darmsanierung durchzuführen und das Mikrobiom zur Gesunderhaltung zu unterstützen.

Trotz 1000 verschiedenen Bakterienarten im Darm konnte in einer im April dieses Jahres veröffentlichten Studie[2] gezeigt werden, dass sich die Menschheit grob in 3 Enterotypen einteilen lässt, abhängig von der Bakteriengattung, die den menschlichen Darm dominiert: Bacteroides, Prevotella oder Ruminococcus.

Beim Reizdarm ist die Darmflora (s. Bild) gestört

Mikrokosmos Darm
Q: dgmim

 

Fünf Hauptkriterien für „Darmgesundheit“

 

Eine Definition, wie der Begriff Darmgesundheit wissenschaftlich verstanden und wie die Darmgesundheit eines Menschen gemessen werden kann, hat ein Experten-Komitee 2011 veröffentlicht [s. BMC medicine 2011]:

das Fehlen von intestinalen Krankheiten

eine wirksame Aufspaltung und Resorption der Nahrung

eine normale und stabile Darmflora,

ein wirksamer Immunstatus

ein allgemeiner Zustand des Wohlbefindens

Reizdarm und andere Darmprobleme – oft ein Tabuthema

 

Hierzulande wird der Darm meist als reines Verdauungsorgan betrachtet, das funktionieren muss. Die Themen Verdauung und Stuhlgang sind vielen Menschen peinlich und werden oft tabuisiert. Daher werden Probleme auch beim Arzt oder Heilpraktiker häufig genug verschwiegen. Dabei ist der Darm oft in Schwierigkeiten: etwa 10% leiden am Reizdarmsyndrom, 15% unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten und 20% unter chronischer Obstipation. Die steigende Zahl an funktionellen und organischen gastroenterologischen Krankheiten hat die Darmgesundheit jüngst stärker ins Bewusstsein der Mediziner gerückt. Denn die Darmgesundheit und das wachsende Verständnis dafür, wie sie verbessert und erhalten werden kann, bieten neue Ansätze für die Prävention von Krankheiten.

In Asien zum Beispiel gilt der Bauch als Sitz der Seele und der Gesundheit. Die Japaner nennen ihn Onaka, „geehrte Mitte“, oder bezeichnen ihn als Hara, was nicht nur „Bauch“ bedeutet, sondern auch „Zentrum der körperlichen und geistigen Kraft“.

Hierzulande muss das Bewusstsein noch wachsen, was der Darm alles kann und was er für unsere Gesundheit bedeutet: Im Darm werden Nährstoffe verdaut und aufgenommen, und hier ist auch unser intestinales Immunsystem zuhause.

Bauchgefühl

Ebenso ist im Darm das enterische Nervensystem lokalisiert. Man kann es als zweites Gehirn bzw. Bauchhirn bezeichnen, welches uns das sogenannte Bauchgefühl vermittelt. Ich spreche da lieber von der Intuition. Es ist ein Nervengeflecht aus rund 100 Millionen Nervenzellen, das den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Insgesamt sind dies mehr Neurone als im gesamten Rückenmark zu finden sind.

Basis für Therapie und Prävention

So viel ist sicher: Regelmäßige Bewegung, die Vermeidung von chronischen Stress und eine gesunde Ernährung unterstützen die Darmgesundheit. Ebenso trägt der Verzehr von bestimmten Prä- und Probiotika zum Erhalt der Darmgesundheit bei. Für die Zukunft sind in diesem Bereich weitere spannende Erkenntnisse zu erwarten.

Was Sie für Ihre Darmgesundheit tun können

 

Mit kleinen Veränderungen können Sie selbst etwas für Ihre Darmgesundheit tun!

  1. Unterstützen wir die physiologische Darmbewegung. Dies geht einerseits durch tiefes Atmen, so dass die Bauchdecke sich deutlich mit dem Atem hebt und senkt, und andererseits durch körperliche Bewegung, vor allem solche, bei der die Beine aktiv sind. Die Ausdauersportarten Joggen, Walken, Fahrradfahren oder Schwimmen sind besonders zu empfehlen. Schon ein täglicher Verdauungsspaziergang kann die Darmtätigkeit anregen. Studien besagen, dass regelmäßiger Sport das Darmkrebs-Risiko sogar halbieren kann.
  2. Apropos Krebsvorsorge: Frisches Obst und Gemüse enthalten reichlich sekundäre Pflanzenstoffe, die darmkrebsvorbeugend sind. Wir finden sie beispielsweise in Rosenkohl, Brokkoli, Tomaten, Zwiebeln, Zitrusfrüchten und Hülsenfrüchten. Ich mag gerne einen Rohkostsalat aus Brokkoli und Apfel. Was kommt bei Ihnen gesund und lecker auf den Esstisch?
  3. Reduzieren wir die Menge an Gluten im Essen, denn das Klebereiweiß kann chronische Durchfälle ebenso verursachen wie chronische Verstopfungen. Wir finden es in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und auch (mit geringem Anteil) in Hafer. Wir können als Imbiss zum Beispiel das belegte Brot ersetzen durch Gemüsesticks oder einen Quinoasalat. Es gibt so viele Möglichkeiten!